Österreich: Evangelisch in Europa - Gemeinsam, aber vielfältig - Rückblick von Mario Fischer auf die Zeit als Generalsekretär der GEKE
In einem Pressegespräch der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) blickte Generalsekretär Mario Fischer auf seine Amtszeit zurück, die Ende April 2026 endet.
In der evangelischen Tradition gibt es keinen Anspruch, eine einheitliche Linie „von oben“ vorzugeben. Bereits seit den theologischen Gesprächen Anfang der 1970er Jahre suchten lutherische und reformierte Kirchen die Annäherung – auf Grundlage gegenseitigen Respekts für die jeweilige Tradition. Mit der Leuenberger Kirchengemeinschaft wurde dieser Weg verbindlich beschritten.
Heute vereint die GEKE über 90 Kirchen unterschiedlicher Prägung. Eine einzige evangelische Stimme in Europa gibt es jedoch nicht – und soll es auch nicht geben. Wie Mario Fischer betont, bewegen sich die Mitgliedskirchen in einem „ethischen Korridor“, der unterschiedliche Positionen etwa zu Migration, Genderfragen oder Sterbehilfe ermöglicht. Ziel sei es, die Kirchen zu befähigen, in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext sprachfähig zu bleiben – gut informiert durch gemeinsame Studienprozesse.
Seit 2007 hat die GEKE ihren Sitz in Wien – in einem Land mit nur drei bis vier Prozent evangelischer Bevölkerung. Gerade diese Situation stärkt die Sichtbarkeit der evangelischen Kirchen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde Wien zudem zu einem wichtigen Brückenkopf zwischen Ost- und Westeuropa.
Die Anfänge der Gemeinschaft waren bescheiden: In Straßburg bestand das Büro zunächst lediglich aus einem Briefkasten. Heute ist die GEKE organisatorisch gut aufgestellt und vertritt ihre Mitgliedskirchen gegenüber europäischen Institutionen. Zugleich wächst das Bewusstsein einer gelebten Kirchengemeinschaft: Reformierte, lutherische, methodistische oder unierte Christinnen und Christen können selbstverständlich gegenseitig am Abendmahl teilnehmen und gemeinsam Gottesdienst feiern.
Mit Sorge beobachtet Fischer eine zunehmende Polarisierung in Europa. Komplexe gesellschaftliche Fragen würden oft nur noch in Gegensätzen diskutiert. Auch Kirchen geraten dabei unter politischen Einfluss. Als Beispiel nennt Fischer die enge Verbindung zwischen der ungarisch-reformierten Kirche und dem politischen Umfeld von Viktor Orbán.
Umso wichtiger sei der Dialog innerhalb der Kirchengemeinschaft. Ein starkes Zeichen setzte die Vollversammlung 2024, bei der ukrainische und russische Vertreter gemeinsam über die Rolle der Kirchen im Krieg diskutierten. Solche Begegnungen zeigen: Evangelische Gemeinschaft lebt vom Gespräch – auch über Grenzen hinweg.
Evangelische Kirchen sind in Europa meist Minderheitskirchen. Von rund 500 Millionen Menschen gehören etwa 40 Millionen einer evangelischen Kirche an – rund die Hälfte davon in Deutschland. Während in Skandinavien und Island noch Mehrheiten evangelisch sind, gehen die Mitgliederzahlen insgesamt zurück. Viele Gemeinden suchen daher nach neuen Formen kirchlichen Lebens, etwa im Rahmen sogenannter „Mixed Economy“-Projekte, die klassische Gemeindestrukturen ergänzen.
Besonders in Randregionen Europas sind kleine evangelische Gemeinden durch Arbeitsmigration stark geschrumpft. Gleichzeitig entstehen neue Aufgaben durch Zuwanderung. Die Kirchen möchten für die Weggezogenen ebenso da sein wie für neu Hinzugekommene.
Abschließend bringt es Mario Fischer auf den Punkt:
„Unsere Gesellschaften sind das Ackerfeld Gottes. Dort wollen wir wirken und die frohe Botschaft verkünden.“
Fischers Nachfolgerin bei der GEKE ist die deutsche Pfarrerin Susanne Schenk. Sie trat ihr Amt am 1. März 2026 an.
Das GAW arbeitet eng mit der GEKE zusammen. U.a. wird die Projektarbeit für Mitgliedskirchen der GEKE über das GAW organisiert.
(Quelle: Evangelisch in Europa: Gemeinsam, aber vielfältig | Communion of Protestant Churches in Europe CPCE)